Planung einer Thermischen Klärschlammverwertungsanlage mit vorgeschalteter Schlammfaulung in Bergen auf Rügen.

Fernsehbeitrag zur Inbetriebnahme in der Mediathek des NDR

Drohnenflug über Anlage

Inbetriebnahme am 14.06.2017:

Im Rahmen des 25-jährigen Jubiläums des Zweckverbandes Wasserversorgung und Abwasserbehandlung Rügen (ZWAR) fand am 14. Juni 2017 die Inbetriebnahme der neuen Klärschlammverwertungsanlage statt.

Nachdem der neu errichtete Faulbehälter und das zugehörige Blockheizkraftwerk bereits seit geraumer Zeit funktionsgerecht arbeiten, wurde an diesem Termin der Anfahrbrenner der Klärschlammverbrennungsanlage gezündet, um mit dem Trocknungsvorgang für das Mauerwerk im Ofen zu beginnen. Nach Abschluss dieser Warminbetriebnahmephase können die ausgefaulten Schlämme anschließend thermisch verwertet werden.

Im Beisein von Abgeordneten aus Bundes- und Landespolitik wurden die Feierlichkeiten durch die Bürgermeister der Inselgemeinden als Verbandsmitglieder festlich begangen.

Verbandsgeschäftsführer Axel Roediger stellte in seiner Rede sowohl die langjährigen Erfolge des ZWAR zum Aufbau einer ökologischen Wasserver- und -entsorgung wie auch die Eigenständigkeit des Verbandes dar, die mit Errichtung der neuen Klärschlammverwertungs-anlage nachhaltig dokumentiert wird.

Die vom Generalplaner/Generalübernehmer Dr. Born - Dr. Ermel GmbH - Ingenieure - organisierten Führungen durch die Anlage rundeten zusammen mit einem anschließenden Tag der offenen Tür die positiven Eindrücke von dem neuen Vorzeigeprojekt des ZWAR ab.


Spatenstich am 27.11.2015:

Am 27.11.2015 fand auf der Kläranlage in Bergen auf Rügen der Spatenstich zum Bau der Thermischen Klärschlammverwertungsanlage statt.
Hier finden Sie den Zeitungsartikel dazu, erschienen in der Ostseezeitung am 28.11.2015.

Die Baumaßnahmen haben bereits im Juli 2015 mit der Errichtung der Baugrube und den Baumaßnahmen zum Faulturm begonnen. Im November 2015 starteten die Baumaßnahmen für das Maschinengebäude und ab April 2016 erfolgte die Installation der technischen Anlagen. Die Inbetriebnahme der Schlammfaulung war im Januar 2017 und die der thermischen Schlammverwertung ist für Mai 2017 geplant.

Der Zweckverband Wasserversorgung und Abwasserbehandlung Rügen (ZWAR) stellt die Weichen für eine zukunftsorientierte Klärschlammbehandlung.
Mit der Beauftragung der Dr. Born - Dr. Ermel GmbH für die Planung einer Thermischen Klärschlammverwertungsanlage mit vorgeschalteter Schlammfaulung beschreitet der Zweckverband den ersten Schritt für eine sichere und zukunftsorientierte Klärschlammbehandlung. Die Anlage soll auf der Kläranlage Bergen entstehen und sämtliche Klärschlämme der Inseln Rügen und Hiddensee sowie das anfallende Rechengut der Kläranlagen behandeln. Im ersten Behandlungsschritt erfolgt eine maschinelle Eindickung auf rd. 6 % TS und anschließend eine Ausfaulung der Klärschlämme, um ein energiereiches Klärgas zu erzeugen.

Der Faulbehälter besitzt ein Volumen von 3.000 m³ und ist als zylindrischer Betonbehälter geplant. Die Umwälzung des Faulschlamms erfolgt durch ein zentrales Langwellenrührwerk.

Für die erforderliche Erwärmung des Faulschlamms ist der Behälter mit innenliegenden Wärmetauscherrohren ausgerüstet. Die zylindrische Bauweise mit Langwellenrührwerk und innenliegenden Wärmetauscherrohren bildet eine nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten optimale Bauweise ab. Die entstehende Wärme der BHKW-Anlage wird für die Faulbehälter- und Gebäudeheizung genutzt.

Im zweiten Behandlungsschritt erfolgt eine Entwässerung des ausgefaulten Klärschlamms auf rd. 27 % TS mittels Entwässerungszentrifugen. Der entwässerte Schlamm gelangt über eine Feststoffpumpe in den Schneckentrockner und wird dort bis auf einen TS-Gehalt von rd. 44 % getrocknet, so dass eine autotherme Verbrennung möglich ist. Der Trockner besitzt eine Wasserverdampfungsleistung von 550 kg H2O/h und nutzt die Abwärme der anschließenden Schlammverbrennung. Nach der Schlammtrocknung schließt die thermische Verwertung in Form eines zweistufigen Wirbelschichtofens an. Die zweistufige Ausführung ermöglicht einen größeren Regelbereich für die Verbrennung und erzielt aufgrund der optimierten Luftführung geringere NOx- und CO-Emissionen im Vergleich zu herkömmlichen Verbrennungen.

Die Konstruktion des Ofens wurde im Vorfeld durch eine CFD-Simulation untersucht. Es konnte nachgewiesen werden, dass die gestufte Verbrennung eine schnellere Umsetzung der Oxidationsprodukte im Brennraum im Vergleich zum herkömmlichen Wirbelschichtofen bewirkt.
Ein nachgeschalteter Thermoölkessel koppelt die Wärme aus und versorgt die Trocknung, wie auch das Heizungssystem ausreichend mit Energie.
Auf eine Stromerzeugung wurde bewusst verzichtet, da die elektrische Energie aus dem BHKW den Standort vollständig versorgen kann.

Über eine Quasi-Trockene Rauchgasreinigung, bestehend aus einem Elektrofilter, Sprühkühler und Gewebefilter, erfolgt die Reinigung des Rauchgases aus der Verbrennung. Die gereinigte Abluft wird anschließend unter Einhaltung der gesetzlichen Grenzwerte über einen Schornstein abgeleitet.

Die Brüden aus der thermischen Trocknung werden in die Wirbelschichtverbrennung eingeleitet und nachverbrannt. Dadurch kann die thermische Klärschlammbehandlung nahezu abwasserfrei betrieben werden.